Aufgrund ihres starken politischen Einflusses haben hindu-nationalistische Gruppen die Aggressivität ihrer virtuellen und physischen Demonstrationen im ganzen Land gesteigert. Laut Facebooks Richtlinien würden diese Gruppen, die Angriffe in sozialen Medien verüben, als Hassrede gewertet und verboten werden. Aus Angst vor gewalttätigen Angriffen auf Firmengebäude und sogar Mitarbeiter zögerte Facebook jedoch möglicherweise, extremistische Gruppen und Äußerungen in Indien zu verbieten.
Anfang 2020 stand die Bajrang Dal-Gruppe kurz davor, von Facebook als gefährliche Organisation eingestuft und gesperrt zu werden. Doch die Plattform hat möglicherweise aus Angst vor Vergeltungsmaßnahmen einen Rückzieher gemacht. Ein Sicherheitsbericht des Unternehmens in Indien verzeichnete Drohungen von Extremisten, die auf die Geschäftsaussichten des Unternehmens abzielten. Facebook im Land, seinen Einrichtungen und seinen Mitarbeitern.
Es gibt eine beträchtliche Anzahl von Menschen, die für Facebook arbeiten in IndienEs gibt fünf Niederlassungen, darunter in Neu-Delhi und Mumbai. Auch andere hindu-nationalistische Gruppen wie die Sanatan Sanstha und die Sri Ram Sena gelten als extremistisch und gewalttätig. Aufgrund dieser Umstände hat Facebook Indien neben Myanmar, Pakistan und Sri Lanka in die Gruppe der Länder mit dem höchsten Gewaltrisiko aufgenommen.
Gewalttätige Beiträge
Die Profile und Gruppen dieser Extremisten auf Facebook veröffentlichen oft Teilen Bilder von verwüsteten Orten, Vergewaltigungen und oft auch Morden. Es sind Szenen unzähliger extrem aggressiver Taten gegen Menschen, die ihrer Meinung nach den Hinduismus oder die nationalistische Ideologie dieser Gruppen missachtet haben.
Hindus machen über 75 % der indischen Bevölkerung aus. Muslime stellen 14 % und nur 2 % der Bevölkerung sind Christen. Es gibt Berichte über Gewalttaten von Mitgliedern der Bajrang Dal gegen diese anderen religiösen und säkularen Gruppen. So wurden beispielsweise ein Missionar und seine beiden Söhne verbrannt und muslimische Frauen und Kinder massakriert.
Schwierigkeiten im Kampf gegen Hassreden
Obwohl Facebook behauptet, Gruppen, die an Gewalttaten beteiligt sind, nicht auf seiner Plattform zuzulassen, ist es gerade der große politische Einfluss dieser Extremisten, der einem Verbot der Plattform entgegensteht. Allein Bajrang Dal hat mehr als 2.000 Büros in ganz Indien.
Faktoren wie die große Macht des sozialen Netzwerks im Land machen diese Maßnahmen zur Bekämpfung von Gewalt in Veröffentlichungen und Interaktionen in Beiträgen ebenfalls komplex. Indien hat eines der größten Zugangsvolumina zum Facebook und Instagram weltweit. Die Präsenz extremistischer Gruppen wie der Bajrang Dal verstärkt Zweifel am Engagement der Plattform im Kampf gegen Hassreden – nicht nur in Indien, sondern weltweit.